Metadaten für den Bibliotheksmarkt

Funktionen, Datenformate sowie Nutzen aus Verlagssicht

Bei gedruckten Büchern ist für den Verlag das Geschäft mit der Auslieferung abgeschlossen. Er hat keinen Einfluss mehr darauf, wie das Buch tatsächlich gelesen wird., und er hat keine weiteren Verpflichtungen.

Bei Online-Büchern und –Zeitschriften ist das anders. Zum einen ist der Verlag für die ständige online-Verfügbarkeit der Werke verantwortlich. Darüber hinaus aber sind auch nach der Freischaltung einer Bibliothek weitere Schritte erforderlich, damit der Titel bestmöglich genutzt wird.

  • Der Titel muss zunächst in den Katalog aufgenommen werden, damit er überhaupt gefunden wird.
  • Ebenso relevant aber sind mittlerweile zusätzlich sogenannte Discovery-Services. Sie erlauben eine Google-artige Suche in den Beiträgen der Bücher und Zeitschriften. Die meisten Bibliotheken bieten mittlerweile diese Suchmöglichkeit über einen Discovery-Service prominenter an, als die traditionelle Katalogsuche.

In die Discovery-Services gelangen die Verlagsinhalte allerdings nicht ohne Mitwirkung des Verlags. Andersherum: Bücher und Zeitschriften, die vom Verlag aktiv in die Discovery-Services integriert werden, sind signifikant häufiger gefunden und genutzt, als andere. (Es gibt dazu u.a. Untersuchungen und Aussagen von Elsevier)

Die folgende Übersicht stellt die Mechanismen, die dabei wirksam sind, genauer dar. Insbesondere wird deutlich, welche Daten ein Verlag liefern kann, um seine Inhalte bestmöglich in der Bibliothek sichtbar zu machen.

1. Titel in den Katalog oder OPAC aufnehmen

Dies ist Voraussetzung dafür, dass der Nutzer einen Titel findet, nach dem er ausdrücklich gesucht hat. Die Ergebnisse einer solchen Recherche bleiben allerdings auf der Titelebene stehen – es werden also keine Kapitel oder Zeitschriftenbeiträge nachgewiesen.

Typisches Ergebnis einer Katalogsuche wäre z.B.

  • Nina Nestler, Martin Asholt; Grundlagen und Grenzen des Strafens; 1. Auflage 2015
  • Politische Vierteljahresschrift, seit Jahrgang 50 (2009), Heft 1

Verfahren OHNE Verlagsdaten

der Titel wird im Katalog erfasst, sobald die Bibliothek vom Verlag über das Erscheinen der Online-Ausgabe informiert wurde. Für ein Buchpaket, das im Laufe eines Jahres erscheint, muss dieser Vorgang bei jedem neuen Titel erfolgen.

Mitglieder von OCLC katalogisieren im WorldCat gemeinschaftlich. Das bedeutet: sobald der erste Bibliothekar den Titel in OCLC WorldCat eingegeben hat, steht er zentral allen teilnehmenden Mitgliedern zum Download zur Verfügung.

Nachteil fehlender Verlagsdaten

Der Titel ist ggf. auch einige Wochen nach der Freischaltung noch nicht im Katalog sichtbar und wird daher weder gefunden, noch genutzt.

Vor allem vergeht Zeit:

1. Zunächst muss die Bibliothek über das Erscheinen und die Freischaltung des Titels informiert werden – z.B. durch eine Email-Benachrichtung, die der Verlag versendet: „Der Titel xy steht nun zu Ihrer Verfügung“

2. Danach muss der Bibliothekar die Freischaltung überprüfen und den Titel im Anschluss aktiv in den Katalog aufnehmen.

Im Falle übersehener Emails oder längerer Krankheit bleiben Inhalte ggf. auch längere Zeit „unsichtbar“, obwohl der Verlag die Bibliothek längst freigeschaltet hat.

Erforderliche Daten

MARC-Daten

2. Titel durch Stichwortsuche auffindbar machen

Bei einer offenen Stichwortsuche hilft der Katalog oder OPAC kaum, relevante Literatur zu finden. Dafür werden stattdessen die Discovery-Services genutzt, die nicht nur in den Titeldaten suchen, sondern auch in den Beitrags-Metadaten oder sogar im Volltextindex.

Auf diese Weise wird der Nutzer auf Buchtitel und Zeitschriften aufmerksam, die er zuvor nicht kannte.

Typische Ergebnisse einer solchen Suche wären dann z.B.

  • Stefanie Bock, Stefan Harrendorf ; Kursorische Überlegungen zur Strafbarkeit und Strafwürdigkeit tatvorbereitender computervermittelter Kommunikation
    Buchkapitel in
    Nina Nestler, Martin Asholt; Grundlagen und Grenzen des Strafens; 1. Auflage 2015, S. 139 – 156
  • Till Cordes: Was Ratingagenturen von Staaten fordern,
    Zeitschriftenbeitrag in:
    Politische Vierteljahresschrift (PVS), Jahrgang 55 (2014), Heft 4, S. 648-673

Verfahren OHNE Verlagsdaten

Diese Daten können nur durch den Verlag bereitgestellt werden. – Ohne Mitwirkung des Verlags stehen lediglich Titel-Daten für die Suche zur Verfügung.

Nachteil fehlender Verlagsdaten

Der Nutzer bekommt keine Titel vorgeschlagen, die nicht – zufällig! – den gesuchten Begriff im Buchtitel oder im Zeitschriftentitel führen.

Bezogen auf die nebenstehenden Beispiele bedeutet dies, dass folgende typische Suchen nicht zu diesen Publikationen führen würden:

• Eine Suche nach “Computer + Kommunikation + Strafbarkeit”

würde nicht zu dem hier angeführten Kapitel führen.

• eine Suche nach “Ratingagenturen”

würde nicht zu dem nebenstehenden Artikel in der Zeitschrift PVS führen.

Erforderliche Daten

Erforderlich sind möglichst ausführliche Metadaten auf Beitragsebene. Insbesondere:

  • Beitragstitel
  • Autor
  • Abstract
  • Schlagworte

Diese Daten werden üblicherweise als XML-Dokument übergeben. Bewährt hat sich dafür die Struktur JATS (Journal Article Tagging Suite)

Ergänzend ist es sinnvoll,

PDF zur Volltextindizierung zur Verfügung zu stellen. Damit wird sichergestellt, dass der Beitrag auch gefunden wird, wenn in den Schlagworten oder dem Abstract nicht die verwendeten Suchbegriffe auftauchen.

Dieses PDF wird wohlgemerkt nicht angezeigt, sondern nur für die Indizierung verwendet.

3. Link zum Titel auf der Verlagsplattform anzeigen

Nachdem ein Titel oder Zeitschriftenbeitrag gefunden wurde, muss der Nutzer einen Link angezeigt bekommen, um ihn aufzurufen.

Während für gedruckte Publikationen der Bibliothekar den Stellplatz im Regal oder Magazin angibt, müssen für online-Inhalte die URLs eingetragen werden.

Dafür werden entweder die vom Verlag gelieferten URLs genutzt, oder eine Technik, die sich „Open URL“ bzw. „Linkresolver“ nennt. (Der Mechanismus ist etwas kompliziert. Wenn Sie mich direkt kontaktieren, erläutere ich ihn gerne.)

Verfahren OHNE Verlagsdaten

Der Link zu einem eBook – oder sogar zu einem Artikel oder  Kapitel – müsste vom Bibliothekar recherchiert und manuell eingetragen werden. Diese Arbeit ist so aufwändig, dass sie kaum erfolgt.

Der Verlag sollte daher im Interesse der Nutzungsstatistik seiner Online-Publikationen

mindestens eine der hier skizzierten Möglichkeiten anbieten.

Nachteil fehlender Verlagsdaten

Obwohl die Online-Angebote vom Verlag für die Bibliothek freigeschaltet sind, erhält der Nutzer keinen direkten Link über das Bibliothekssystem.

Erforderliche Daten

MARC-Daten, die eine URL oder einen DOI-Link zum Titel enthalten.

(Der DOI-Link ist ausdrücklich zu bevorzugen, weil er persistent ist.)

DOI-Link (bzw. URL) als Bestandteil der Beitrags-Metadaten (Kapitel oder Artikel)

Alternativ bzw. ergänzend:

  • Eine Open-URL-fähige Verlagsplattform
  • KBART-Daten (s.u.)

4. Anzeige der tatsächlichen Verfügbarkeit

Die Bibliothek wird in der Regel keine Links anzeigen wollen, für die sie nicht explizit Zugangsrechte hat. Ein nicht funktionierender Link führt letztlich immer zu Beschwerden der Nutzer.

Das führt zurück zu der o.g. Problematik: Erst wenn die Bibliothek informiert ist, dass ein Titel verfügbar ist, wird dieser im Katalog oder Discovery-Service sichtbar gemacht.

Daher sollte in den Verlagsdaten die Information mitgeteilt werden, dass die Bibliothek diesen Inhalt nutzen darf.

Verfahren OHNE Verlagsdaten

Der Bibliothekar pflegt die Information manuell (zeitaufwändig, fehlerbehaftet).

Nachteil fehlender Verlagsdaten

Links zu den Inhalten werden ggf. verspätet oder unvollständig angezeigt – eine Folge der manuellen Bearbeitung.

Erforderliche Daten

KBART (Titeldaten) mit Holdinginformationen

Noch Fragen?

Falls Ihnen von den hier skizzierten Daten und Funktionen etwas schwindelig wird, verhilft ein Gespräch vielleicht zu mehr Klarheit…

email: joachim.engelland@engelland.com
Skype:  joachim.engelland

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